Kommunikation ist oft wie Fußball:

In vielen Gesprächen geht es nur darum, Boden zu gewinnen, den Ball möglichst lange zu besitzen, den Anderen nicht zu Wort kommen zu lassen. Austausch wird sowieso völlig überschätzt. Hier sind ein paar Tricks, wie Sie Worte absondern können, ohne etwas sagen zu müssen und wie Sie sich ohne viel Aufwand über Ihren Gesprächspartner stellen können.

1. Verwenden Sie in jedem Satz  „Ich sag mal“ – am besten am Anfang, in der Mitte und am Ende (dort müssen Sie es leicht variieren in „sag ich mal“). Eigentlich braucht man das nur, wenn einem das richtige Wort nicht einfällt und man nicht ewig im Hirn herumkramen will. Denn es bedeutet: Statt des richtigen Begriffes sag ich jetzt mal einen anderen, weil mir der Passendere gerade nicht einfällt. Man kann mit dieser schönen Phrase aber auch einfach mitteilen, dass man jetzt etwas sagt. Das kriegt der Gesprächspartner zwar auch konkludent mit, aber egal. Manche Leute kann man damit gut beeindrucken.

2. „Von daher“ – Das ist auch eine schöne, überflüssige Phrase, die sich anbietet, wenn der Inhalt eigentlich schon fertig ist, man aber einfach noch etwas sagen will, als Abschluss-Schnörkel zum Beispiel. Wie in einem französischen Film endet der Satz im Nichts – das ist doch charmant. Und schließlich hilft jedes bisschen, wenn es darum geht, im Ballbesitz zu bleiben. Und deshalb sollte man das von auch dann einsetzen, wenn man das Verbindungswort daher dort benutzt, wo es hingehört, nämlich als Verbindung zwischen zwei richtigen Sätzen (nach einem Komma). Je mehr Worte, desto besser.

3. „Oder aber“ – Siehe oben. Man braucht das aber überhaupt nicht, es ist komplett überflüssig, aber um seine Gedanken zu ordnen und um zu verhindern, dass der Zuhörer (zu einem Gesprächspartner upgraden wollen wir ihn ja eben gerade nicht!) doch in unseren Monolog reinplatzt, braucht man jedes einzelne Wort.

4. „Nichts anderes als“, „im Grunde genommen“, „schlicht und ergreifend“, „letztendlich“  sind quasi das Dribbling in der Kommunikation: Sie bieten sich an, wenn man sich den  Ballbesitz sichern will, ohne viel Gehirnschmalz aufzuwenden. Denn sie sind so überflüssig, dass sie immer passen und nie stören – also zumindest nicht den Sprecher. Man streut sie ein und kann währenddessen in Ruhe überlegen, was man eigentlich sagen will.

5. „Wie gesagt …“ – Das ist eine ganz tolle Masche: Wiederholen Sie einfach eine ganze Passage nochmals, auch wenn Sie sie schon ein- bis zweimal gesagt haben. Ob Ihr Zuhörer sie schon beim ersten Mal begriffen hat, ist irrelevant, denn es geht ja nicht darum, ihn zu erreichen, sondern nur darum, das Wort zu behalten. Sie können sie auch einsetzen, wenn das Gegenüber Ihnen den Ball abgenommen hat und Sie davon so überrascht waren, dass Sie, als Sie ihn (den Ball) zurück erobert haben, noch so erschrocken sind, dass Ihnen nicht so schnell neuer Inhalt einfällt. Dann wiederholen Sie einfach das von vorher noch einmal. Klappt immer.

6. „Hauptsatz A, Hauptsatz B, Hauptsatz A“ – Das ist eine Abwandlung zu 5: Sie sagen etwas mit Hauptsatz A, erklären es mit Hauptsatz B und hängen den  Hauptsatz A einfach noch einmal an, so dass B schön eingerahmt wird. Erfahrungsgemäß hat Ihr Zuhörer A zwar noch im Ohr und merkt, dass das jetzt eine Wiederholung ist, aber egal, es setzt sich bestimmt besser fest, wenn Sie es noch einmal sagen. Gibt es auch in der Variante A-B-A-B-A und für Könner auch als A-B-A-C-A-B-A und so weiter.

Überhaupt: Wiederholen Sie sich so oft wie möglich. Wenn Sie eloquent sind und nicht wollen, dass man Ihnen so leicht auf die Schliche kommt, versuchen Sie, das schon Gesagte immer wieder neu zu formulieren. Vielleicht kapiert Ihr Gegenüber es ja gar nicht.

Für Könner:

8. Folgen Sie jeder beliebigen Assoziation, die Ihnen einfällt, sprechen Sie schnell, und idealerweise wechseln Sie ständig das Thema. Manchen Profis gelingt es, ihre Welt so nachhaltig über den gesamten Luftraum auszurollen, dass das Gegenüber keine Chance mehr hat. Jagen Sie Ihren Zuhörer wie auf einer Treibjagd quer durch Ihre Gedankenbotanik, schlagen Sie Haken, vermischen Sie Inhalts- und Metaebene und üben Sie, so schnell und heimlich zu atmen, dass Ihr Zuhörer es gar nicht mitkriegt. Irgendwann wird er aufgeben, nur noch nicken, zustimmend „Hm-Hm“ sagen und hoffen, dass das Gespräch bald zu Ende ist. Dann haben Sie gewonnen! Ok, keinen Freund, aber zumindest das Gespräch. Und Ihr Gegenüber wird Sie so schnell sicher nicht mehr behelligen.

Wer braucht schon Augenhöhe und Verbindung – Wie man im Gespräch den Hochstatus einnimmt:

1. Sagen Sie ständig den Namen des Zuhörers, mindestens dreimal pro Satz.

2. Unterbrechen Sie andauernd.

3. Beginnen Sie Sätze mit einer tendenziell höheren Stimme und beenden Sie den Satz mit einer tiefen Bauchstimme. Probieren Sie es aus – egal, ob Sie nur ein Rezept aufsagen oder das Fernsehprogramm vorlesen, Ihr Gegenüber wird sich dominiert fühlen, und zwar besonders, wenn Sie zusätzlich Ihr Gegenüber dauernd mit Namen ansprechen.

4. Wenn Sie etwas erklären, machen Sie nach einem längeren Satz eine ganz kurze Pause und schicken dann mit Ihrer Bauchstimme ein kleines, nachdrückliches „ne“ oder “ge” hinterher. Man muss das e nicht hören, Könner stoßen nur ein stimmhaftes n aus. Besonders, wenn Sie das mit 1. und 2. kombinieren, ist die Wirkung phänomenal: Ihr Zuhörer wird immer kleiner. Und darum geht es doch, oder?

5. Wenn es möglich ist, fassen Sie Ihr Gegenüber an, und beginnen Sie damit schon, wenn Sie den Zuhörer begrüßen, indem Sie ihm nicht nur die Hand geben, sondern die übrige (meist die Linke) auch noch auf seine Hand legen. Im Gespräch picken Sie ihm Fussel von der Jacke oder ähnliches.

Kombinieren Sie alle fünf Ziffern. Wenn Ihr Gegenüber damit schon angefangen hat, machen Sie es einfach trotzdem. Irgendwann wird Ihr Gesprächspartner schon aufgeben.

(Ich hoffe zwar, Sie haben es gemerkt, aber sicherheitshalber sage ich es lieber doch noch: DAS WAR NATÜRLICH ALLES IRONISCH GEMEINT!)