Gestern fand die Konfirmation meiner zweiten Zwillingstochter statt – ein Großevent mit über 40 Gästen. Noch nie habe ich eine so große Feier bei mir zu Hause gegeben. Ich habe zwei Pavillons und zwei Biergarnituren gemietet, eine Kaffeemaschine und das ganze Geschirr, und es wurde geliefert – wunderbar! Ich habe das Wohnzimmer ausgeräumt, dadurch gab es Platz für zwei Buffets. Ich habe ein Kennenlern-Quiz mit Gewinnspiel ausgearbeitet (zu gewinnen gab es zwei Gutscheine der Buchhandlung Middle Earth, zwei Hörbücher und drei Bücher), an dem sich viele beteiligt haben. Ich habe den Carport dreimal gekehrt, den ganzen Garten aufgeräumt und Blumenschmuck bestellt.

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In der Kirche war ich die einzige, die für alle fotografieren durfte, und dafür habe ich mir extra noch eine zweite Kamera geliehen, damit ich nicht die Objekte wechseln musste.

Außerdem habe ich das Grußwort der Eltern gehalten – und Szenenapplaus bekommen. Das war der Text:

Liebe [Vornamen der sechs Konfirmanden], liebe Eltern und liebe Gäste!
Als wir Eltern gefragt wurden, wer ein Grußwort halten möchte, fühlte ich mich innerlich geschubst, dass ich das machen soll, – und dass ich T2 damit überraschen soll.

Das Wort Konfirmation ist lateinisch und heißt Bestätigung oder Bekräftigung. Ihr bestätigt heute euren Glauben an Gott; und gleichzeitig ist die Konfirmation eine Segnung, die euren Übergang ins Erwachsenenleben einleitet.

Wir, eure Eltern, Verwandten und Freunde feiern also heute mit euch, dass ihr eine wichtige Markierung auf dem Weg ins Erwachsenenleben erreicht habt. Wie wichtig uns dieser Tag ist, könnt ihr daran erkennen, dass mehr Menschen gekommen sind als zu euren Geburtstagen – und von viel weiter weg.

Außerdem feiern wir, dass ihr Gott bestätigt habt, an ihn zu glauben und eine Beziehung zu ihm haben zu wollen.

Weil das so ein wichtiger Tag ist, will ich euch etwas sagen, was mir niemand gesagt hat, als ich 14 war – obwohl es mir echt geholfen hätte.

Wie geht eigentlich eine Beziehung zu Gott? Zuerst mal: Da ist kein Druck. Nach meiner Erfahrung ist Gott nicht wie Tante Hilde beleidigt, wenn man ihn nicht anruft. Die Beziehung ist für mich.

Die gute Nachricht ist: Wenn ich genau hinhöre, bekomme ich eine Antwort. Ich erlebe Gott als liebevolle, weise, innere Stimme. Ich bin sicher, ihr habt so eine Stimme auch schon mal in euch gehört.

Dass es Gott ist, erkenne ich daran, dass die Stimme fein, klar und sachlich ist. Sie meint es immer gut mit mir. Sie würde mir nie sagen, dass ich für etwas nicht gut genug bin, oder dass ich es nie zu etwas bringe. Sie würde mich auch nie abwerten.

Es braucht etwas Übung, sie zwischen all den widersprüchlichen Gedanken zu erkennen, weil die Gedanken so viel Lärm machen.

Jeder von euch hat so eine innere Stimme, und Gott spricht hat zu jedem Menschen individuell. Vielleicht warnt die Stimme manchmal vor einer Gefahr oder drängt euch, etwas Bestimmtes zu machen. Aber wenn die Stimme nicht gleichzeitig liebevoll ist, ist es nicht Gott.

Und Gott ist immer da.
Ihr geht ihm nie auf die Nerven, egal, wie oft ihr euch an ihn wendet, und Ihr müsst nicht mal die Hände falten. Das z.B. hätte ich gerne schon als Kind gewusst.

Gerade in dieser anstrengenden Zeit eures Lebens, wo wir Eltern so oft nerven, und wo viele von euch einen längeren und langweiligeren Arbeitstag haben als wir – gerade jetzt ist es extrem hilfreich, Kontakt zu diesem inneren Freund zu haben, auf den man sich immer verlassen kann.

Und noch etwas anderes will ich euch mit auf den Weg geben:

Weil ihr Gottes Kinder seid, will er euch unterstützen, dass ihr euer Potenzial voll entfaltet.

Lasst euch daher nie von schlechten Noten entmutigen. Glaubt niemandem, der euch sagt, ihr könntet irgendwas nicht. Die meisten von uns wurden als Kinder nicht respektvoll behandelt, sondern abgewertet und klein gemacht. Und wenn wir es nicht anders gelernt haben, verhalten wir uns euch gegenüber vielleicht genauso. Wir können es einfach nicht besser.

Lasst euch aber nie eure Träume kaputtreden. Nicht von euren Freunden, nicht von Schulkameraden, die euch dissen, nicht von Autoritäten, und nicht einmal von uns.

Sonst vergesst ihr vielleicht, wie großartig ihr seid. Dass ihr einen guten Platz im Leben suchen dürft, wo ihr etwas Tolles machen könnt, das euch wirklich begeistert. Viele wichtige Persönlichkeiten der Geschichte waren Querdenker.

Und jetzt genießt diesen wundervollen Tag, an dem ihr im Mittelpunkt steht, und an dem so viele Menschen gekommen sind, um euch zu feiern und euch reich zu beschenken.

Wir Eltern, Paten, Verwandte und Freunde segnen euch von Herzen und wünschen euch alles Gute!

Nach dem Gottesdienst haben einige Familien Gruppenbilder gemacht. Wir haben das letztes Jahr bei Tochter 1 auch gemacht. Diesmal war es so voll, und ich war so verhuscht von dem Adrenalin, von dem ich vor, während und nach der Rede überflutet war, dass ich nicht fähig war, ein Foto mit unseren vielen Gästen zu organisieren. Einige Gäste strebten schon dem Ausgang entgegen, einige standen noch in der Nähe, aber man konnte sie nicht alle erreichen, um das anzukündigen. Aber nicht einmal eines, auf dem wir Eltern mit T2 abgebildet sind, haben wir gemacht, und diese Tatsache treibt mir gerade die Tränen in die Augen. Das Foto werde ich heute Abend nachholen, und es ist mir egal, dass es gefaked ist.

Das Wetter war eine Pracht. Es war warm und sonnig. Und das fast komplett vegane Essen (die Tiramisu war mit Mascarpone, weil mir die vegane Variante zu teuer war) von HeaVEGanly Food war großartig wie letztes Jahr. Auch die Kuchen waren ein Traum. Eine von T2s Freundinnen hat mit einem Freund zusammen drei Torten gebacken, eine davon eine Schwarzwälder Kirschtorte und ungefähr die leckerste, die ich je gegessen habe. Außerdem gab es einen gedeckten Rhabarberkuchen, eine Donauwelle mit Himbeeren (= die offizielle Konfirmationstorte, die ich beim Dottenfelder Hof bestellt habe), einen Mohnkuchen und eine leichte Joghurttorte. Vom Buffet habe ich leider auch keine Fotos gemacht – es war zu eng, dann war das Buffet voller Menschen, und außerdem war ich zu verhuscht. Von der Vorspeise (Antipasti) habe ich kaum etwas bekommen, weil ich damit beschäftigt war, irgendetwas zu organisieren.

Kurz vor der Kaffeezeit ertönte auf einmal lautes Getöse im Wohnzimmer. Als ich hineinkam, sah ich, dass der Tapeziertisch zusammengebrochen war, auf dem der Rest des Mittagessens aufgestellt war. Ich hatte gewusst, dass er etwas schwach war, hatte aber gehofft, die paar Schüsseln würde er noch aushalten. Mitfühlende Gäste zogen mich vom Unfallort weg und beseitigten das Desaster. Zum Glück waren es nur die Reste vom Mittagessen, das wir ohnehin schon aufgegessen hatten, und nicht die Torten! Der Boden war schnell aufgewischt, und den Rest wird nachher die Putzfrau erledigen.

Ich glaube, es war für alle eine schöne Feier, und meiner Tochter hat es definitiv gefallen. Viele Verwandte aus Schwaben waren gekommen, viele Freunde, die ebenfalls 50km entfernt wohnen, und aus der Schule waren zehn Jugendliche da. Drei davon haben von Samstag auf Sonntag sogar hier geschlafen und beim Tischdecken mitgeholfen.

Nur ich habe leider von der Party viel zu wenig mitbekommen. 40 Menschen kann ich offenbar nicht halten, denn mich hat die flirrende Energie der vielen Menschen angestrengt, auch wenn ich mich total freute, dass sie alle da waren. Ich konnte kaum denken. Immer wieder fiel mir ein, dass ich Fotos machen sollte, aber ich war oft so froh, einfach nur sitzen zu dürfen, dass ich mich nicht dazu aufraffen konnte. Hier sollte ich einen Korkenzieher holen, dort musste ich musste ich einen Biomülleimer im Wohnzimmer aufstellen, damit die Gäste nicht ihre Teller samt Essensresten in den Sammelkasten räumten, und einen Karton für das Gewinnspiel brauchten wir auch. Einmal, noch während des Mittagessens, war ich so überfordert, dass ich mich auf den Schoß meines Mannes setzen und mal ein bisschen weinen musste. Die Servierkraft, die ich bei HeaVEGanly Food dazu bestellt hatte, arbeitete so oft in der Küche mit, dass der angestrebte Entlastungseffekt nicht eintrat.

Diese Feier ist wie ein Film im Schnelldurchlauf an mir vorbei gezogen. Ich habe das Gefühl, die Konfirmation meiner Tochter verpasst zu haben, obwohl ich anwesend war. Gäste mit kleinen Kindern gingen direkt nach dem Kaffee, weil die Kids so überdreht waren, dass die Eltern keine ruhige Minute mehr gehabt hätten, und ich habe eigentlich nur zwischen Tür und Angel mit ihnen reden können.

Erst am Abend, als nur noch vier Gäste in unserem Garten saßen, von denen zwei überhaupt erst angekommen waren, als alle anderen schon nach Hause gefahren waren, konnte ich wirklich präsent sein.

Obwohl ich wirklich alles gegeben habe, was ich hatte – Liebe, Engagement, Kraft –, hat es nicht gereicht, um all das zu tun, was ich gerne getan hätte. Ich freue mich, wenn es den Gästen gut ging, wenn das Essen allen geschmeckt hat, wenn sich alle gut amüsiert haben, und gleichzeitig bin ich traurig, dass ich von dieser schönen Party so wenig mitbekommen habe. Ich kenne es von mir, dass ich mich schnell von vielen Reizen so überwältigt bin, dass ich auch in harmlosen Situationen nicht mehr richtig da sein kann und nur noch eingeschränkt reagiere. Ich weiß, dass mich das nicht zu einem weniger wertvollen Menschen macht. Aber es macht mich zu einem Menschen, der das Leben nicht so genießen kann, wie er es gerne täte.

Ich werde ab jetzt besser für mich sorgen und nur noch kleinere Feiern veranstalten, die ich gut bewältigen kann, damit ich die lieben Menschen, die mich besuchen, besser genießen kann.