Hintergrund 2017-05-19T01:48:17+00:00

Gewaltfreie Kommunikation in Frankfurt

Mein Hintergrund

Mein Umgang mit Kommunikation hat sich aus folgenden Grundlagen entwickelt:

1. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

2. Teachings von Eckhart Tolle

3. Eigene Erkenntnisse nach drei intensiven Kursen an der Oneness University (Indien).

Damit die Seite für Sie übersichtlicher ist, habe ich die Inhalte in “Schubladen” verteilt. Klicken Sie einfach auf die Schublade, die Sie interessiert. 🙂

Dr. Marshall B. Rosenberg (1934 – 2015) war Schüler von Carl Rogers und Kollege von Thomas Gordon (Familienkonferenz). Er arbeitete weltweit als Mediator und Trainer und hat die Gewaltfreie Kommunikation, wie er sie nannte, an unzählige Berufsgruppen weitergegeben.
Alles begann damit, dass Rosenberg mit acht Jahren mit seiner Familie nach Detroit umgezogen war und als Jude mit den gerade ausbrechenden Rassenkrawallen konfrontiert wurde. Dies bezeichnete er als prägendes Erlebnis, das in ihm zwei Fragen aufwarf, die ihn über viele Jahre beschäftigten: a) Was bringt Menschen dazu, andere zu verletzen? b) Warum sind manche Menschen trotz widrigster Umstände in der Lage, mit ihrem mitfühlenden Kern in Kontakt zu bleiben?
Rosenberg studierte Psychologie, um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, fand aber keine. Er ließ sich zunächst als Therapeut nieder. In seiner Arbeit war er erfolgreich, weil er seinen Klienten einfühlsam zuhörte. Statt Antidepressiva gab er ihnen Empathie. Er stellte fest, dass das Hauptproblem in unserer lebensfeindlichen Kommunikation und der zugrunde liegenden Haltung liege, und dann konnte er sich nicht mehr mit seinem Beruf identifizieren. Er wollte nach Formen suchen, um die Denk- und Machtstrukturen zu verändern. Und er wollte eine Methode entwickeln, die helfen kann, sich umzuerziehen. Daraus ist die Gewaltfreie Kommunikation entstanden. Marshall Rosenberg hat die Methode weltweit verbreitet und als Mediator in unzähligen Krisengebieten gearbeitet.

Ich finde den Ausdruck “Gewaltfrei” missglückt: Erstens ist in dem Wort immer noch das enthalten, wovon es frei sein soll – die Gewalt.
Zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen denken, ihre Sprache sei schon deshalb gewaltfrei, weil sie keine Kraftausdrücke verwenden: “Ich spreche sowieso schon gewaltfrei!”. Es geht jedoch um viel mehr: Zum einen geht es darum, sich einzufühlen – in sich selbst und in den Anderen. Das gibt der Begriff “gewaltfrei” nicht wieder.
Zum anderen hat sich Marshall Rosenberg auf Mahatma Gandhi und dessen gewaltlosen Widerstand gegen die englische Kolonialmacht bezogen, als er den Begriff geprägt hat: Ghandi war Hindu und tief religiös. Nach einem rassistischen Erlebnis hatte er sich zum Grundsatz gemacht, nie wieder zu dulden, dass er unterdrückt werde. Er wollte auch in seinen Kämpfen niemals Gewalt anwenden, selbst wenn andere Gewalt gegen ihn anwenden. Ein wichtiger Grundbegriff war die Wortschöpfung „Satyagraha“ (Festhalten an der Wahrheit). Diese war für ihn eng verbunden mit Gewaltlosigkeit (“Ahimsa”). So wie ich Marshall Rosenberg erlebt habe, hatte er ähnlich kraftvolle, tiefgehende und weitreichende Ambitionen wie Gandhi. So wie ich ihn verstanden habe, war er auch für zivilen Ungehorsam. Und definitiv wollte er einen sozialen Wandel herbeiführen. Er stand daher durchaus in der kraftvollen Tradition von Gandhi. In meinem Sprachgefühl transportiert der Begriff “Gewaltfrei” all das nur schwach.

Einfühlsame Kommunikation hat vor allem etwas mit Wahrnehmung zu tun, und zwar auf der Ich- und der Du-Seite: Was macht die gegenwärtige Situation mit mir? Wie geht es mir jetzt? Wie fühle ich mich? Welche meiner Bedürfnisse sind erfüllt, welche nicht?
Viele von uns fühlen nicht gern – meist denken wir nur: wir analysieren, diagnostizieren, belehren, erklären, beschuldigen, verteidigen uns, wollen Recht haben usw. Fragen der Selbstwahrnehmung sind daher konfrontierend sein, wenn man sie nicht gewohnt ist – einige Menschen werden bei der Frage „Was fühlst du gerade?“ sogar fast wütend. Dann geht es darum, den Gesprächspartner zu sehen: Wie könnte er die Situation erlebt haben? Wie könnte er sich fühlen? Welches seiner Bedürfnisse könnte erfüllt oder im Mangel sein?
Menschen, die nicht wissen, wie sie sich selbst fühlen, haben naturgemäß große Mühe damit, die Gefühlslage eines anderen Menschen zu erfassen. Die wichtigste Erkenntnis für Empathie ist, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt. “Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, wie wir sind”. Dieses Zitat ist angeblich von Anais Nin und bedeutet, dass wir die Welt immer durch einen Filter sehen. Der Filter setzt sich zusammen aus unseren Prägungen, Konditionierungen, Erfahrungen, Glaubenssätzen und Traumata. Keine zwei Menschen erleben die Welt genau gleich, und auch wenn sie dieselbe Situation erlebt haben, werden sie sie unterschiedlich wahrnehmen, interpretieren und/oder bewerten. Jeder erlebt seine eigene Welt, und ich habe keine Ahnung, wie die Welt des Anderen aussieht. Ich muss ihn also fragen. Dabei hilft mir die Einfühlsame Kommunikation.
Diese Art der Wahrnehmung möchte ich anderen Menschen nahebringen, weil sie das Leben leichter und stressfreier macht: Vielleicht werden Sie sich selbst und Ihre Gefühle und Bedürfnisse besser wahrnehmen und können besser für sich sorgen. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, Ihre inneren Dramen zu beobachten und nicht mehr so leicht auf sie hereinzufallen. Vielleicht werden Sie sich selbst mehr lieben. Möglicherweise werden Sie fähig sein, in die Welt Anderer einzusteigen und sich vorstellen können, wie sie sich fühlen und warum sie handeln, wie sie handeln. Dadurch werden Sie besser damit leben können, dass Sie die Anderen nicht ändern können. Und vielleicht nimmt der Drang ab, andere Menschen zu verurteilen bzw. ins Unrecht zu setzen.

1. Jeder Mensch sieht die Welt aus einer eigenen Perspektive und durch seinen eigenen Filter. Jeder kennt nur seine eigene Welt. Wenn ich bereit bin, mich in den anderen Menschen hineinzuversetzen, kann ich leichter Verbindung zu ihm herstellen. Er fühlt sich verstanden und öffnet sich.
2. Alle Menschen haben die gleichen Gefühle: jeder fühlt sich mal traurig, unsicher, hilflos, freudig etc. Nur die Auslöser für diese Gefühle sind unterschiedlich.
3. Alle Menschen auf diesem Planeten haben die gleichen Bedürfnisse – und möchten diese befriedigen.
4. Jegliches Verhalten dient der Erfüllung von Bedürfnissen Jeder sorgt FÜR sich – nicht GEGEN mich. Und jeder sorgt so gut für sich, wie er kann.
5. Wir können in guten Beziehungen leben, wenn wir für unsere Gefühle und Bedürfnisse selbst die Verantwortung übernehmen. Und wenn wir den Ärger oder Schmerz fühlen, der entsteht, wenn ein Bedürfnis nicht erfüllt ist.

Marshall Rosenberg wollte mit GFK auch in Schulen arbeiten. Es fiel ihm ein, dass Kinder sich gut mit Handpuppen identifizieren können (später stellte er fest, dass das auch für Erwachsene gilt). Er fand die Giraffe geeignet, weil sie das Landtier mit dem größten Herzen ist (wegen des langen Halses) und einen sehr guten Überblick hat. Da sie in Rudeln lebt, hat sie keine natürlichen Feinde und ist Pflanzenfresser. Für die “normale” Sprache wählte er den Wolf bzw. den Schakal. Er ist ein Raubtier und hat weniger Überblick. Er steht für die Glaubenssätze, dass man sich durchsetzen muss, dass man Recht haben muss, dass einem nichts geschenkt wird etc. Da ich mich seit einiger Zeit mit Gehirnforschung beschäftige, wähle ich für die “Wolfssprache” manchmal lieber das Krokodil. Denn erstens ist der Wolf bei vielen Menschen ein Sympathieträger – viel mehr als das Krokodil. Und zweitens kommen unsere Aggressionen und Gefühle des Angegriffenseins aus dem Reptilienhirn. Dieses spielt nach den Ergebnissen der Hirnforschung die Hauptrolle in unseren sozialen Systemen. Und es ist so überaktiv, dass wir bei jedem Konflikt den Säbelzahntiger vor uns sehen – und flüchten oder kämpfen. Und uns getrennt fühlen.

Die meisten Menschen sind “im Kopf”. Wir fühlen nicht – oder wenn, dann nur Ärger. Die anderen Gefühle haben wir erfolgreich weggedrückt. Wir analysieren und bewerten – unser eigenes Verhalten und auch das der Anderen:
• wir erklären, warum der Andere sich so verhalten hat.
• Wir erklären, warum es so kommen musste.
• Wir belehren, diagnostizieren, geben Ratschläge, diskutieren auf der Sachebene, wollen Recht haben.
Wie wir uns fühlen, wissen wir nicht. Dieses Nichtwissen zeigt sich daran, dass wir Formulierungen benutzen wie “das Gefühl haben,…”, “uns fühlen wie …”, uns “vernachlässigt fühlen”, uns “ausgenutzt fühlen”, “abgelehnt fühlen” und so weiter.

In der Einfühlsamen Kommunikation wird bei jedem Verhalten das dahinter liegende Bedürfnis gesucht. Und es wird versucht, alle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dies geschieht in vier Schritten: Eine konkrete, neutral zu beschreibende Beobachtung (Schritt 1) löst ein Gefühl (Schritt 2) aus. Für die Entstehung des Gefühls ist IMMER der verantwortlich, der es fühlt, nicht der, der es auslöst. Dieses Gefühl deutet wie ein Warnlämpchen im Auto auf ein Bedürfnis (Schritt 3) hin, welches – je nach Qualität des Gefühls – erfüllt oder unerfüllt ist. Falls das Bedürfnis nicht erfüllt ist, kann die Person entweder selbst überlegen, mit welcher konkreten Strategie (Schritt 4) sie ihr Bedürfnis erfüllt, oder sie kann eine Bitte an jemand Anderen stellen, sie bei der Erfüllung des Bedürfnisses zu unterstützen. Eine Bitte ist dann eine solche i.S.d. Gewaltfreien Kommunikation, wenn der Andere die Freiheit hat, Nein zu sagen, wenn er also das Bedürfnis nur dann erfüllen soll, “wenn er es mit derselben Freude tut, die Kinder beim Entenfüttern empfinden” (Zitat Marshall Rosenberg). Klingt einfach? Ja, ist es auch. Aber täuschen Sie sich nicht – leicht ist es nicht.

Gemeint ist eine neutrale Schilderung ohne jegliche Bewertung oder Interpretation. Denken Sie an einen Roman, in dem detailliert beschrieben wird, wie eine Szenerie aussieht, so dass Sie sie vor sich sehen können.
Warum dieser spitzfindige Aufwand?
Viele Menschen erleben dieselbe Situation sehr unterschiedlich, aber meist thematisieren wir das nicht, weil es uns nicht bewusst ist. Wir denken automatisch, der Andere hat dasselbe erlebt wie wir.
Oft eskaliert eine Situation, weil wir bei einem Verhalten, das wir beobachten, “wissen”, warum der Andere das tut und was er dabei denkt. Und weil wir es schon “wissen”, überprüfen wir nichts.
Bsp.: Sie schreiben jemandem eine Email und erhalten keine Antwort. Das ist die Beobachtung.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten, was passiert sein könnte:
– Er hat die Email nicht erhalten.
– Er hat sie erhalten, aber nicht gelesen.
– Er hat sie erhalten und gelesen, aber keine Zeit zu antworten.
– Er hat sie erhalten und gelesen, aber vergessen zu antworten.
– Er kann Sie nicht leiden.
Und meist denken wir das Schlimmste:
Der Andere will uns schaden, denn er kann uns nicht leiden. Und wir sind sauer.
Sie dürfen weiterhin interpretieren und bewerten, aber trennen Sie es von der Beobachtung. Dadurch kann Ihr Gegenüber das reale Geschehen und “Ihre Geschichte dazu” auseinanderhalten.

Gefühle gelten in der Gewaltfreien Kommunikation als die Signallämpchen für die Bedürfnisse: sie weisen auf ein erfülltes oder unerfülltes Bedürfnis hin.
Aber es ist gar nicht so einfach, zu spüren, was man fühlt:
Sätze die beginnen mit: “Ich habe das Gefühl,…” enthalten kein Gefühl. Es sind Interpretationen, also Gedanken.
Man denkt also immer noch und fühlt nicht.
Solche “Gefühle” enthalten immer einen Vorwurf.
Der Zuhörer, den man für das “Gefühl” verantwortlich macht, wird sich auf einen Angriff vorbereiten. Oder sich zumindest rechtfertigen. Wenn der Zuhörer hingegen ein echtes Gefühl hören würde, würde er vemutlich nicht in Angriffsstellung gehen. Es ist daher verbindender, ein echtes Gefühl zu äußern.
Was sind “echte” Gefühle?
Man erkennt sie daran, dass man sie auch haben kann, ohne dass eine andere Person etwas Furchtbares getan hat. Es sind Worte wie: traurig / fröhlich / hilflos / stark / begeistert / ohnmächtig / heiter / beschwingt / entsetzt / erschrocken / ängstlich / irritiert / einsam / allein / enttäuscht / kribbelig / unruhig / ruhig / etc.
Was sind “Nichtgefühle”?
Nichtgefühle erkennt man daran, dass es immer jemanden im Außen gibt, der etwas getan hat, um diese “Gefühle” zu haben: ausgeschlossen (wer hat mich ausgeschlossen?), ausgenutzt (jemand nutzt mich aus), herabgesetzt (wer setzt mich herab?), betrogen (jemand betrügt mich!) usw. Nichtgefühle sind keine Gefühle, sondern Interpretation von fremdem Verhalten.
Es gibt auch positive Nichtgefühle: wertgeschätzt, geliebt, anerkannt, zugehörig. Sie sind eigentlich Bedürfnisse.
Es ist nicht dramatisch, Nichtgefühle in der Kommunikation zu verwenden – ich will keine GFK-Polizisten ausbilden, die herumlaufen und jedem ein Knöllchen ausstellen, der sich falsch ausdrückt. Wichtig ist aber, dass man spürt, dass man nicht mit seinen Gefühlen verbunden ist, wenn man Nichtgefühle verwendet, sondern dass man sich immer noch als Opfer fühlt.

In der Gewaltfreien Kommunikation werden Bedürfnisse als das Herzstück betrachtet – weil alle Menschen auf der Welt die selben Bedürfnisse haben, egal welcher Kultur sie angehören.
Es trägt sehr zur Verbindung bei, sich auf Bedürfnisse zu fokussieren, denn es gibt nicht so viele, und jeder kann sich unter den Begriffen etwas vorstellen:
Rosenberg: Überleben / Empathie / Ehrlichkeit / Liebe / Spiel / Autonomie / Geborgenheit / Zugehörigkeit / Feiern / Sinnhaftigkeit
Max-Neef: Schutz / Selbsterhaltung / Verständnis / Zuneigung / Entspannung / Freiheit / Identität / Dabeisein / Mitmachen / Sinnhaftigkeit
Bedürfnisse nach meiner Vorstellung: Atmen / Nahrung / Überleben / Ruhe / Entspannung / Bewegung / Sicherheit / Beitragleisten / Verbundenheit Unterstützung / Wertschätzung / Empathie / Liebe / Intimität / Spiel
Autonomie / Geborgenheit / Zugehörigkeit / Feiern
Sinnhaftigkeit / Anregung / (geistiges) Wachstum
Integrität / Struktur / Rhythmus / Spiritualität / Harmonie
Einige Informationen über Bedürfnisse:
• Jeder Mensch hat seine eigene Bedürfnishierarchie.
• Man kann Bedürfnisse nur für sich selbst haben, nicht für andere.
• Bedürfnisse sind immer abstrakt – andernfalls sind es keine Bedürfnisse.
• Fast alle Bedürfnisse können durch viele Strategien erfüllt werden.
• Alles, was wir tun, tun wir, um uns ein Bedürfnis zu erfüllen. Immer. Auch wenn wir nicht immer wissen, welches.
• Meist haben wir mehrere Bedürfnisse gleichzeitig, und ein Bedürfnis ist dann am stärksten.
Bsp: starker Hunger => Nahrungsaufnahme
Alle anderen Bedürfnisse treten nach hinten. Wenn wir gegessen haben, melden sich wieder andere Bedürfnisse.
Abgrenzung zu Werten
Begriffe wie Umweltschutz, Ehre, Ästhetik, Höflichkeit etc. sind Werte.
Werte variieren von Kultur zu Kultur und werden auch unterschiedlich ausgestaltet. Und leider kann man sich über Werte gut streiten – über Bedürfnisse jedoch nicht (so leicht).
Auch Werten liegen Bedürfnisse zugrunde: dem Wert “Ehre” könnte z.B. Zugehörigkeit zugrunde liegen, dem Wert “Umweltschutz” vielleicht Sicherheit oder Verbundenheit mit der Natur.
Auch wenn in der GFK-Community gerne über die sog. Schlüsselunterscheidungen diskutiert wird, ob ein Wort ein Bedürfnis oder einen Wert darstellt, halte ich die Unterscheidung in den meisten Fällen für akademisch. Wenn man sich wirklich einfühlt, weiß man aus dem Herzen, worum es dem Anderen geht.

Was TUN wir JETZT, wo wir wissen, was wir brauchen?
Wie erfüllen wir unsere Bedürfnisse?
1. Möglichkeit – wir sorgen selbst für unsere Bedürfnisse und tun irgendwas (das nennt man dann Strategie).
2. Möglichkeit – wir fragen das Gegenüber, ob es bereit ist, uns mitzuteilen, wie das bei ihm angekommen ist (Beziehungsbitte).
3. Möglichkeit – wir bitten das Gegenüber, unser Bedürfnis durch eine Handlung zu erfüllen.
Die Bitte ist ein großes Geschenk für den Anderen, denn wir haben uns diese Person – also z.B. unseren geliebten Partner – ausgesucht, dass er uns das Bedürfnis erfüllen darf.
Wie bitten wir ihn also so, dass er seinen tiefen Wunsch, uns das Leben zu verschönern, freiwillig in eine Handlung umsetzt, die unser Leben bereichert?
Bitte – jetzt gleich und konkret!
Eine Bitte im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation ist im JETZT erfüllbar und sehr konkret, wie bei einem Antrag bei Gericht – nur eben freiwillig.
Wenn die Bitte nicht konkret ist, ist sie nur ein Wunsch. Der Andere weiß vielleicht noch nicht, was er tun soll (z.B. zuhören – „tue ich doch schon“ „Nein, tust du nicht“).
Woran erkenne ich konkret, dass meine Bitte erfüllt wurde?
Ist durch die Bitte mein Bedürfnis eigentlich erfüllt?

Für Fortgeschrittene:

Natürlich sind Bedürfnisse sehr wichtig, denn sie sind die Triebfeder all unseren Handelns. In der Kommunikation mit Anderen sollte man nicht auf sie verzichten.
In der Selbstempathie werden sie jedoch überbewertet: sich zu sehr auf Bedürfnisse zu konzentrieren kann den Weg zur Heilung erschweren, denn man kann leicht in die Falle tappen, aus dem Bedürfnis einen Anspruch auf dessen Erfüllung ableiten zu wollen.
Es ist sinnvoller, das Gefühl (meist: den Schmerz) vollständig zu fühlen.
Wie komme ich darauf?
Das reine Bewusstsein hat keine Bedürfnisse.
Es ist eins mit der Quelle. Und dort ist alles vollständig.
Nur eine Persönlichkeit kann Bedürfnisse haben.
Und jeder Mensch hat nicht nur eine Persönlichkeit, sondern viele verschiedene.
Sie stellen sich dar als inneres Kind, als rebellischer Jugendlicher, als harter Geschäftsmann, als Mutter, als Vater, als Geliebte usw.
Jeder Anteil kommt und geht und verändert sich.
Und jeder Anteil hat eine eigene Bedürfnishierarchie.
Da ist kein festes ICH, auch wenn es sich so anfühlt.
Das ICH hat zu existieren begonnen, als wir einen Namen erhalten haben. Der Name ist wie ein Behälter, in dem sich alle Gedanken, Glaubensmuster, Konzepte und Gefühle angesammelt haben, mit denen wir uns am meisten identifizieren. Und dieser Behälter hat unterschiedliche Fächer – die Teilpersönlichkeiten.

Meist ist es das verletzte innere Kind:
Das Kind ist z.B. einsam und allein. Es denkt, es werde nicht geliebt, es sei nicht richtig. Der Schmerz ist körperlich spürbar.
In dieser Situation hilft es, den Schmerz vollständig zu fühlen. Und zwar so lange, bis man sozusagen am Boden des Gefühls angekommen ist. Man kann sagen, dort ist ein Schalter – und der klappt sich automatisch um, wenn das Gefühl vollständig ist.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Bedürfnis dabei keine große Rolle spielt. Den Schmerz zu fühlen bringt einen weiter, als herauszufinden, dass das Kind Liebe und Zugehörigkeit gebraucht hätte.
Und die Lösung liegt auch darin, den Glaubenssatz (z.B. “Ich bin nicht richtig”) vollständig anzunehmen: was wäre, wenn er wahr wäre? Denn etwas in einem denkt ja sowieso, er sei wahr. Lieber endlich dem Tiger ins Maul springen, als immer vor ihm davonlaufen. Das mag sich anfühlen, als müsse man sterben. Man sollte daher nicht alleine sein. Und hinterher ist es leichter.

Das JETZT ist die einzige Zeit, die man wirklich erleben kann. Alles andere ist entweder schon vorbei oder noch nicht geschehen.
Gleichzeitig ist es ungeheuer schwierig, das JETZT zu erleben, weil die meisten von uns ständig mit Denken beschäftigt sind.
Während wir mit 160 km auf der Autobahn sausen, denken wir an die Spaghetti, die noch im Kühlschrank stehen, an den Vortrag, den wir gleich besuchen werden oder an den Streit mit unserem Sohn, wegen dem wir überhaupt so spät dran sind.
Das Jetzt ist immer da. Wir nehmen es nur nicht wahr, weil der >> Verstand so viel Lärm macht. Wäre es möglich, den Verstand wie ein langweiliges Radioprogramm zu betrachten, dem wir nicht so genau zuhören? Denn das ist er tatsächlich. Haben Sie schon einmal bemerkt, wie Ihr Verstand Ihnen ständig suggeriert, dass die Gegenwart langweilig ist? “Ey, komm, hier is’ doch nix los! Komm, wir gehn auf ‘ne viel geilere Party!” Und dann verführt er Sie mit Gedanken, ihm in die Vergangenheit zu folgen, und Sie erinnern sich an das Gespräch mit Ihrem Mann, in dem er Sie dauernd unterbrochen hat, und Sie werden ganz wütend. Sie erinnern sich an alle möglichen Situationen, in denen er (also Ihr Mann) total unsensibel war – und sind voll im Film. Und nicht im Jetzt.
Oder Ihr Verstand entführt Sie in die Zukunft, und Sie überlegen, wann Ihre Mutter wohl so dement wird, dass sie pflegebedürftig wird, und Sie beginnen, sich Sorgen zu machen. Sie sitzen immer noch im Auto und fahren zu der Veranstaltung, aber Sie haben einen Druck auf der Brust, weil Sie an Ihre Mutter denken, die vielleicht irgendwann mal dement wird. Sie verkrampfen sich und haben eine furchtbare Zeit, obwohl JETZT alles ok ist.
Man muss nicht alles glauben, was man denkt!
Ihr Verstand will einfach nicht, dass Sie im Hier & Jetzt sind. Denn hier und jetzt kann er nicht anwesend sein. Das muss er verhindern. Daher: Nehmen Sie ihn nicht so ernst.
Wenn Sie tiefer in das Thema (und dann hoffentlich auch ins JETZT) einsteigen wollen, kann ich das Buch “Jetzt – die Kraft der Gegenwart” von Eckhart Tolle nachdrücklich empfehlen.

Eckhart Tolle versteht unter dem Schmerzkörper ein Energiefeld aus Schmerz, das sich in unserem Inneren eingerichtet hat.
Der Schmerzkörper setzt sich zusammen aus dem Schmerz, den wir in der eigenen Vergangenheit erlitten und nicht vollständig durchlebt haben.
Es gibt persönliche und kollektive Schmerzkörper.
Wir erkennen den persönlichen Schmerzkörper z.B. daran, dass wir von einer düsteren Stimmung ergriffen werden – und plötzlich ist jede Blume ein Unkraut und wir sind sicher, dass alle gegen uns sind und alles Sch…e ist.
Bei vielen Menschen ist er die ganze Zeit aktiv – es sind diejenigen, die immer jammern, die sich sofort angegriffen fühlen und sich auch sofort wehren müssen. „Die ganze Welt ist mein Feind, und alle sind gegen mich“. Das ist der Schmerzkörper.
Da der Schmerzkörper leben will (wie alles auf der Welt), versucht er, uns dazu zu bringen, dass wir uns mit ihm identifizieren. Wenn er Besitz von Ihnen ergriffen hat, wird er Situationen erschaffen, die ihn ernähren.
Sie fühlen sich als Opfer und werden zum Täter, verursachen Schmerz bei anderen oder erleiden selbst welchen.
Kennen Sie die eigenartige Befriedigung, die viele Menschen aus dem Unglücklichsein gewinnen und ihren Drang, über erlittenes Unrecht zu sprechen?

Wenn Sie den Schmerzkörper beobachten können, entsteht Raum um ihn. Er kann Ihnen nicht mehr vorgaukeln, dass alles um Sie herum furchtbar ist, sondern er wird entlarvt – als graugrünes schleimiges Wesen, das einen 3D-fähigen Diaprojektor besitzt.
Zur Vertiefung empfehle ich das Buch “Eine neue Erde” von Eckhart Tolle.

Wir glauben, wir hätten ein konstantes Ich, und nur die Gefühle würden sich ändern.
Bin ich eine egoistische Person, die manchmal an andere denkt?
Oder bin ich eine selbstlose Person, die manchmal an sich denkt?
Ist ein Zebra ein schwarzes Tier mit weißen Streifen oder ein weißes Tier mit schwarzen Streifen?
Wahr ist, wir bestehen aus vielen Teilpersönlichkeiten: innere Sechsjährige, innerer Zwölfjähriger usw., Mutter, spirituelle Sucherin, Weiser, bodenständige Realistin, Visionär, Geschäftsfrau oder was auch immer.
Jede Persönlichkeit ist ein Paket und hat ihre eigene Wahrnehmung, Gedanken, Emotionen, Weltanschauung, Körperhaltung und eine eigene Bedürfnishierarchie.
Und die Persönlichkeiten wechseln einander ab – eben noch waren Sie 47, im nächsten Moment sind Sie sieben Jahre alt. Weil jemand etwas gesagt hat, das Ihren schmerzvollsten Glaubenssatz ausgelöst hat.
Diese Persönlichkeiten sind da natürlich nicht wirklich. Eigentlich ist da nur Bewusstsein. Dass uns diese Persönlichkeiten so real erscheinen, liegt daran, dass wir uns mit einigen von ihnen so sehr identifizieren: sie haben eine positive oder eine negative Ladung.
Die Persönlichkeiten mit der negativen Ladung sperren wir gerne in die Besenkammer. Auf magische Weise entwischen sie von dort – und manifestieren sich in anderen Menschen. Und dort lehnen wir sie dann ab.
Ich helfe Ihnen, sich dieser Persönlichkeitsanteile bewusst zu werden. Und sie nicht zu ernst zu nehmen.

Welches Gefühl genau gerade da ist, ist gar nicht wichtig.
Wesentliche Bausteine zu meiner Fähigkeit, mich einzufühlen, waren meine Aufenthalte in Indien. An der sog. Oneness University habe ich gelernt, dass Selbstakzeptanz damit anfängt, genau anzuschauen, was gerade da ist: Freude oder Frustration, Neid, Eifersucht, Liebe, Ärger, Verachtung, Hass – was auch immer.
Wichtig ist die Frage: Können Sie alles anschauen? Und wenn Sie es angeschaut haben – akzeptieren Sie es?
Sagen wir, Sie empfinden Eifersucht. Zuerst müssen Sie sich der Tatsache bewusst werden, dass es wirklich Eifersucht ist, die Sie empfinden. Die meisten Menschen sind sich dessen nicht einmal bewusst.
Wenn Sie sich dessen bewusst geworden sind, wird das erst eine Menge Schmerz verursachen. Dann kommt der nächste Level: die Eifersucht akzeptieren.
Denn sie ist ja nun mal da.
Da ist nichts, was Sie tun könnten – alle Maßnahmen wären nur ein Darüber-Hinweg-Gehen, ein Unter-den-Teppich-Kehren.
Aber in dem Moment, wo Sie etwas akzeptieren, hören Sie auf, Energie zu verschwenden. Die Energie ist still – und das ist Freude. Glückseligkeit.
Innere Integrität ist die Fähigkeit und Bereitschaft, sehr ehrlich mit sich selbst zu sein, alles anzuschauen, was da ist. Alle Gedanken. Alle Gefühle. Nichts bewerten.
Wenn Sie hassen, schauen Sie hin, wie Sie hassen – ohne sich dafür abzulehnen (und auch, ohne gute Gründe dafür zu finden). Es nützt nichts, es vor sich selbst zu verleugnen, oder zu versuchen, es zu verändern. Wenn man dem Gefühl keine Energie gibt, verschwindet es sowieso von selbst.

In dem Moment, wo wir aufhören, besser sein zu wollen, etwas verbergen zu wollen, können wir wirklich HIER sein. Jeder von uns ist eine ganze Horde von Persönlichkeiten, manche arrogant, manche freundlich, manche schwach, manche stark, manche mitfühlend, manche herzlos, egoistisch, altruistisch, gewalttätig, hilfsbereit usw. Wenn wir in der Lage sind, alle diese Eigenschaften einzuatmen, zu uns zu nehmen, können wir uns bedingungslos lieben. Und dann auch alle Anderen.

Die meisten Menschen identifizieren sich sehr mit ihrem Verstand, mit den Gedanken, die ihnen durch den Kopf rauschen, mit ihrer Bildung und Intelligenz.
Sie fühlen wenig, sondern denken die ganze Zeit.
Der Verstand ist wie ein Computer: man kann in der äußeren Welt Aufgaben mit ihm lösen. Aber im Erleben ist er hinderlich, denn er ist wie ein Fußballreporter aus dem Radio, der unablässig quatscht – sogar wenn das Spielfeld noch leer ist.
Meist benutzen nicht wir den Verstand.
Er benutzt uns.
Er springt zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her, er ist nie zufrieden, er ist unentschieden und assoziativ, streitet sich mit sich selbst herum, vergleicht, analysiert, bewertet etc.
Wir können länger die Luft anhalten als unsere Gedanken.
Kann man das ändern? Nein.
Denn der Verstand ist wie ein Polizeidirektor, der einen Brandstifter schnappen soll – obwohl er selbst der Brandstifter ist (Metapher von Eckhart Tolle).
Der Polizeidirektor tut so, als ermittle er gegen den Brandstifter, aber in Wirklichkeit verwischt er die Spuren.
Und vielleicht sperrt er sogar einen Unschuldigen ein.
Nicht so genau hinhören.
Es funktioniert, wenn ich mich nicht mehr mit dem Verstand identifiziere. Wenn ich weiß, dass ich den Verstand habe, aber nicht Verstand bin.
Wenn ich nicht jeden Gedanken, der mir durch die Gehirnwindungen wabert, so ernstnehme.
Dann brauche ich nicht so genau hinzuhören, wenn er mich volltextet.
Und ich muss mir nicht alles glauben, was ich denke.
Dadurch entsteht eine höhere Bewusstseinsebene.
Raum. Und Freiheit.