Ich bin immer schon jemand gewesen, der sich sehr um Wahrheit bemüht. Ich hasse es z.B., lügen zu müssen, und ich vermeide es, wo es irgend möglich ist. Ich will aber auch bei Fakten, die andere betreffen, gerne die Wahrheit wissen. Im persönlichen Umfeld ist das noch einigermaßen einfach. Aber es gibt viele Situationen, in denen es eine absolute Glaubensfrage ist, was die Wahrheit ist. Da ist z.B. das Impfen – glaubt man den Ärzten oder den Heilpraktikern und Homöopathen?

Beide Seiten haben gute Argumente. Und beide Seiten bekämpfen sich erbittert. Die einen sagen, die meisten Krankheiten seien überhaupt nur deshalb ausgerottet, weil die Mehrzahl der Bevölkerung geimpft sei. Manche wollen eine Impfpflicht, um die tapferen Geimpften vor den verantwortungslosen Impfgegnern zu schützen. Die anderen warnen vor möglichen Impfschäden und sagen, die ganze Impferei sei eine Erfindung der Pharmaindustrie. Ich will hier inhaltlich bewusst nicht Stellung beziehen. Das Thema sollte nur ein Beispiel sein.

Dann Homöopathie – man kann den Ärzten glauben, dass sie ja gar nicht wirken kann, weil die Mittel keine Wirkstoffe enthalten, und weil nach dem mechanistischen Weltbild etwas nur funktionieren kann, wenn es wissenschaftlich erwiesen ist. Oder man kann den Homöopathen glauben, die von unzähligen Fällen berichten, in denen Globuli geholfen haben.

Oder Religion: wie ist die Erde denn nun entstanden? Durch Evolution oder durch Kreation? In Deutschland glaubt nur eine Minderheit an die Schöpfungsgeschichte, aber fahren Sie mal in den amerikanischen Bibelgürtel!

Denken Sie an das Dritte Reich – viele Leute glaubten wirklich, dass Hitler etwas Gutes vorhätte. Woher sollte man wissen, was wahr ist? Heute wissen wir zwar, dass er Millionen Menschen auf dem Gewissen hat, aber damals wussten es viele Menschen entweder wirklich nicht, oder sie glaubten der Obrigkeit, dass es notwendig sei, diese Menschen umzubringen. Sie hielten die Propaganda für die Wahrheit.

Die Wahrheit anzuzweifeln, die vom Mainstream vertreten wird, ist immer mit Risiken verbunden. Es gibt zahlreiche Forschungen darüber, wie sich Menschen von Mehrheiten beeinflussen lassen. Wenn 100 Menschen eine Sache gut finden, braucht es viel Mut, eine abweichende Haltung zu haben – geschweige denn sie zu äußern. Dies ist umso schwerer, je weniger wir über die Sache wissen und je weiter verbreitet eine Wahrheit ist.

Die Wahrheit ist auch schon deshalb so schwer zu erkennen, weil sie manipulierbar ist. In den privaten Fernsehprogrammen kann man das besonders gut sehen: wieso ist zufällig eine Kamera dabei, wenn sich die Pärchen bei Bauer sucht Frau streiten? Weil es inszeniert ist!

Ein Freund berichtete mir, dass in den USA sogar manche Nachrichten gefälscht sind (genau wie es in dem tollen Kinofilm “Wag The Dog” dargestellt wird). Ich hatte vor kurzem noch zwei Youtube-Filme verlinkt, in denen man die vermeintlichen Familien von Mädchen sah, die angeblich bei dem Massaker an der Sandy Hook-Grundschule in Connecticut ums Leben gekommen seien (dass ich die Filme jetzt nicht mehr verlinke, hat technische Gründe). Man sah einmal den vermeintlichen Vater, wie er zuerst lächelnd und entspannt zu den Journalisten kam und sich dann in einen mehr oder weniger schmerzverzerrten Zustand begab, bevor er das Interview gab. In dem anderen Video wurden die Eltern eines anderen Mädchens interviewt, das gerade zwei Tage zuvor gestorben sein sollte, und die ebenfalls lächelnd von den wunderbaren Charaktereigenschaften ihrer Tochter sprachen. Wenn Sie das Thema interessiert, können Sie ja selbst auf Youtube recherchieren. Geben Sie einfach Sandy Hook Fake ein.

Sie glauben nicht, dass amerikanische Medien so etwas tun? Oder wenigstens glauben Sie nicht, dass deutsche Medien das tun? Da haben wir es: Sie haben eine persönliche Entscheidung getroffen, ob das der Wahrheit entspricht oder nicht! Ich weiß natürlich auch nicht, was dieser Film tatsächlich beweist, und ich weiß auch nicht, ob und wie sehr deutsche Medien das Gleiche tun. Aber ich bemerke, dass ich mich entscheide, was ich glaube und was nicht.

Was nicht in unser Weltbild passt, das glauben wir nicht – das habe ich am eigenen Leib erfahren. Wir entscheiden selbst, was für uns wahr ist. Häufig haben wir eine Referenz, die uns eine Wahrheit vermittelt, also eine Person, der wir vertrauen, oder die wiederum von einer anderen Person, der wir vertrauen, für vertrauenswürdig eingeschätzt wird.

Ich war mehrere Jahre Anhänger des eines spirituellen Lehrers. Durch Retreats in seiner Bildungseinrichtung hat sich vieles in meinem Leben zum Guten entwickelt: seit dem ersten Retreat konnte ich mich plötzlich mühelos einfühlen, seit dem zweiten stieg mein Selbstwertgefühl beträchtlich, und mein Geschäft lief auch immer besser. Für all das bin ich sehr dankbar.

Vor dem ersten Retreat hatte ich ein Telefonat mit einem ehemaligen Devotee, der mir etwas von Drogen erzählte, die man angeblich dort verabreicht bekomme – ein anderer Teilnehmer habe ihm das berichtet. Er war zum einen wegen dieser Drogengerüchte ausgestiegen, zu anderen, weil er die ständigen Ankündigungen, die sich dann doch nicht bewahrheiteten, satt hatte. Denn der spirituelle Führer hatte z.B. prognostiziert, dass 2008 alle politischen Systeme zusammenbrechen würden, und wie wir wissen, ist das nicht passiert. Ich wollte das mit den Drogen nicht glauben, das mit 2008 war mir nicht so wichtig, und so fuhr ich trotzdem hin, denn ich hatte mehrere Referenzen, denen ich mehr vertraute als dem ehemaligen Devotee.

Ich bekam während meiner Zeit als Anhänger immer mal mit, dass sich jemand negativ über den spirituellen Führer äußerte, aber ich nahm das nicht ernst. Man kann ja Menschen auch absichtlich schlecht machen, oder? Ich glaubte also nur das, was ich glauben wollte.

2009 gab es eine große Veränderung in dieser Bewegung, die mich sehr erschreckte: fast alle Lehrer, die mir in den Retreats ans Herz gewachsen waren, gingen fort, aber keiner wusste wirklich, warum und wie es dazu gekommen war. Der spirituelle Führer nahm per Internet Stellung dazu, und dort kam er mir zum ersten Mal komisch vor, denn sein Verhalten, seine Wortwahl passten nicht zu dem “heiligen” Bild, das ich von ihm hatte. Ich hatte also diesmal selbst ein Gefühl, eine innere Stimme warnte mich.

2010 traf ich einen der fortgegangenen Lehrer, und er erzählte mir, wie es hinter den Kulissen zugegangen war. Ich war entsetzt und glaubte ihm auch, aber bald hatte ich das Meiste wieder vergessen, zumal wir uns in Englisch unterhalten hatten, wo es mir sowieso schwer fällt, Inhalte zu erinnern.  Ich distanzierte mich für einige Monate, fühlte mich aber irgendwann wieder zugehörig – es geschah einfach so – aber es war nicht mehr so stark wie früher. Als ich im Mai 2010 wieder einen Kurs absolvierte, hatte sich die Atmosphäre nach meinem Empfinden sehr zum Negativen verändert und mein Glaube an die Wunderbarkeit dieser Organisation bröckelte noch mehr.

In 2012 traf ich einen anderen ausgeschiedenen Lehrer und dessen Manager. Der Manager erzählte mir Geschichten, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich glaubte ihm, weil ich keinen Grund sah, an seinen Worten zu zweifeln. Nun begann ich wieder, mich mit der kritischen Seite zu beschäftigen: was, wenn der spirituelle Führer doch immer nur an unserem Geld interessiert war? Mittlerweile sieht es für mich so aus. Ich habe vor kurzem einen 43 seitigen, englischen Text überflogen, der zu einem großen Teil von einem ehemaligen Anhänger stammt, der 15 Jahre dem spirituellen Führer sehr nah gewesen und schon 2006 oder 2007 ausgeschieden war. Ich hatte ihn zuvor nie lesen wollen, weil ich dachte, er denunziere die Bewegung, und weil es mein Weltbild zerstört hätte. Was er schreibt, deckt sich mit anderen Schilderungen.

Auch das ist nur ein Beispiel, wenn auch ein sehr persönliches. Es zeigt, wie es für so viele Themen zwei oder mehr Seiten gibt, und dass wir uns (mehr oder weniger frei) entscheiden, welcher Seite wir glauben.

Eine Seite spricht die Wahrheit, und die andere lügt. Von unserer Entscheidung hängt ab, was für uns wahr ist. Ein Atheist kann deshalb so viele Bücher über Gott und Spiritualität lesen, wie er will – er wird sie mit einem ungläubigen Verstand lesen, sich darüber lustig machen und sie als Blödsinn abtun. Er hat sich bereits vorher entschieden. Umgekehrt stimmt das genauso: wenn ich einen Artikel lesen würde, warum Quantenphysik nichts mit Esoterik zu tun hätte, würde ich den Artikel entweder nicht glauben oder vermutlich gar nicht erst verstehen – weil es nicht mit meinem Weltbild übereinstimmt.

Überhaupt Esoterik: Unter “Esoterik” verstand man ursprünglich eine Philosophie, die nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich war. Und das ist auch heute noch so. Esoterik umfasst alte Geheimlehren, die von normalen Menschen nicht verstanden wurden, und die ihrem Weltbild widersprechen. Dass heutzutage auch wirkungslose Methoden unter diesem Begriff zusammen gefasst werden, bringt die Esoterik einerseits in Verruf. Andererseits ist die Tatsache, dass sich kein vernünftiger Mensch mit solchem Hokuspokus beschäftigen will, auch ein wunderbarer Schutz. Es lohnt sich daher immer, nachzuforschen, wer eine Sache in Verruf bringt, und welchen Vorteil er davon hat. 😉

„Die Wahrheit“ herauszufinden ist nicht möglich. Was ist dran an Verschwörungstheorien? Sind sie wahr, sind sie totaler Blödsinn, oder ist ein bisschen was dran? Wer hat den Beweis dafür, wie Kornkreise wirklich entstehen? Sind sie gefakt oder nicht? Was für Sie wahr ist, ist Ihre Entscheidung. Immer.

Alle vermeintlichen „Beweise“ für was auch immer können authentisch sein oder gefälscht. Gibt es UFOs, oder sind alle Bilder gephotoshoppt? Was passiert in der Area 51 in den USA? Gibt es für manche Phänomene vielleicht nur deshalb keine Beweise, weil sie unterdrückt werden? Oder gibt es keine, weil die Sache gar nicht existiert? Was halten Sie für wahr? 😉

Am Ende weiß ich nur eines: Ich habe von nichts eine Ahnung. Und vielleicht ist das gar nicht die schlechteste Einstellung zum Thema Wahrheit.