Der eine oder andere hat es vielleicht schon mitgekriegt: Ich versuche immer mal wieder, Gewicht zu verlieren. Nun bin ich wohl mit seit neuestem 65 kg (Tendenz sehr langsam fallend) auf 175 cm und Kleidergröße 40 nicht wirklich dick, aber einen Fütterungsreflex löse ich auch bei niemandem aus.  Dass ich dennoch abnehmen will, kommt daher, dass ich an meinen weiblichen Vorfahren sehen kann, wohin das führt, wenn frau sich nicht ein bisschen zügelt. Mit Wehmut denke ich daran, wie ich mit 30 Jahren 58 Kilo wog. Und daher gilt für mich das Motto: Wehret den Anfängen. Und so esse ich einfach weniger Kohlehydrate und nach 18 Uhr möglichst nichts mehr. Meinen Schokoladenkonsum habe ich auf ca. einen Bissen pro Tag von einem Raw Bite Schokoriegel oder einem Lovechock-Riegel (noch besser!) beschränkt. Das Gute an diesen Riegeln: Man kriegt sie bei Alnatura, sie sind extrem köstlich und man braucht nur einen Bissen, um glücklich zu sein. Der Nachteil: sie kosten 1,99 (Raw Bite) bzw. 2,59 (Lovechock).

Aber die 5 Kilo, die ich gerne los wäre (Zielgewicht: 62 kg), gehen trotzdem nur sehr widerwillig.

Spannend wird das Thema aber, wenn ich mit Menschen zusammentreffe, die mehr wiegen als ich. Wenn ich dann versehentlich sage, dass ich abnehme (z.B. weil ich gerade das zweite Stück Kuchen abgelehnt habe), kommt manchmal die Frage “Wo musst denn DU abnehmen?” oder “Du bist doch dünn!”.

Das nervt mich. Darf ich nicht abnehmen, wenn ich 66 kg wiege? Muss ich erst die 100 vollkriegen? Warum nehmen sich Menschen heraus, mit mir korrigierend über mein Körpervolumen zu sprechen, wenn sie das doch umgekehrt sicher auch nicht wollen? Ich finde das übergriffig.

Abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, mich zu rechtfertigen erklären, fürchte ich mich am meisten vor der Frage: “Was soll ICH denn da sagen?”

Denn tja – das weiß ich leider auch nicht.
Die Frage “Was soll ICH denn da sagen?” ist leicht ausgespuckt, aber beantworten kann man sie nicht. Es gibt einfach keine Antwort, die nicht gleichzeitig beleidigend ist.

Dicke sind ja in der Regel besonders empfindlich – sonst wären sie ja nicht dick. Und das meine ich ganz liebevoll. Essen ist eine Form der Belohnung, es nährt die Seele (z.B. Grießbrei!) und schüttet Glückshormone aus (z.B. Schokolade) und ist wie eine Umarmung von innen. Cola ist im Mund offenbar spannender als Wasser (dieses Laster habe ich zum Glück nicht!), und Schokolade braucht man am dringendsten abends – und das sogar, wenn man verheiratet ist. Ich weiß das, weil ich ja auch gern esse (all ihr leckeren Tirami Sus, Mousses au Chocolat, Torten und leckere Kuchen, kommt an mein Herz!),  sonst wäre ich immer noch so dürr wie mit 30. Immer mehr Menschen ernähren sich falsch (Weißbrot statt Vollkornbrot, Fertiggerichte statt frisch Gekochtem, zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse, zu viele Nudeln etc.), und irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass manche unbewusst auch deshalb dick seien, um sich vor (weiteren?) sexuellen Übergriffen zu schützen. Und wer je jemanden mit einem ordentlichen Ranzen umarmt hat, weiß, dass Fett einen ganz gut auf Abstand hält.

Ich habe also durchaus Verständnis, und aus diesem Grunde vermeide ich das Thema in Gegenwart eines dicken Menschen, damit ich ihn nicht verletze. Wenn ich also gefragt werde, “Warum kannst du nach 18 Uhr nichts mehr essen?”, antworte ich vielleicht  “Das bekommt mir nicht so gut.” Aber wenn ich nicht so geistesgegenwärtig bin, zu sehen, dass jemand Dickes in der Nähe ist, kann es doch mal passieren, dass ich sage, dass ich ABNEHME. Und dann bin ich auf dem Minenfeld.

Am ehrlichsten wäre “Soll ich etwa so lange nicht abnehmen, bis ich so dick bin wie du?”, aber das ist ja eine Unverschämtheit.

Oder soll ich sagen: “Du bist doch auch nicht dick!”? – Das wäre eine sehr fadenscheinende Lüge.

Vielleicht: “Du hast doch nur schwere Knochen.” Ist aber auch nicht viel besser.

Ich könnte einfach mein Motto mitteilen: “Wehret den Anfängen” – aber das zeigt dem Dicken, dass er den Anfängen nicht gewehrt hat und kann ihn somit verletzen.

“Jeder fühlt sich eben mit einem anderen Gewicht wohl.” Neeeee.

“Mir steht das Dicksein aber nicht so gut wie dir.” Geht auch nicht.

Oder: “Ich weiß jetzt nicht, was ich antworten soll, weil ich befürchte, jede Antwort könnte dich verletzen.” Aber das allein ist ja auch schon verletzend, oder?

Oder vielleicht: “Befürchtest du, du könntest zu dick sein, wenn du hörst, dass sogar ich schon abnehmen will?” Hm. Fühlt sich etwas besser an. Aber noch nicht gut.

Wahrscheinlich sage ich am besten gar nichts. Aber wenn jemand meiner Leser einen tollen Vorschlag hat, was ich sagen könnte, dann nur her damit. 😉