In den Herbstferien bin ich mit meiner Familie nach Florida geflogen. Wir begannen unseren Trip mit drei Tagen in Fort Lauderdale, fuhren über Miami Beach nach Key West, suchten Alligatoren in den Everglades, verbrachten einige ruhige Tage in einem Haus mit Pool an der Golfküste, hausten in einer Holzhütte im Myakka River State Park und besuchten zuguterletzt Hogsmeade in Orlando.

Und wir hatten Gelegenheit, den herkömmlichen Floridarianer in seinem Lebensraum zu beobachten. Eigentlich wollte ich Wildbahn schreiben, aber der Floridarianer ist vieles, als wild kann man ihn allerdings nicht bezeichnen.

Das Wichtigste vorweg: der Urlaub war sehr schön.

Florida ist meist warm und sonnig. Den Hurrikan haben wir nur medial erlebt – bei uns kamen nur seine äußersten Ausläufer in Form von starken Seewinden an. Es gibt große zusammenhängende Naturschutzgebiete, und besonders die Everglades sind gigantisch, und zwar sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer Schönheit.

lauderdale1Viele Amerikaner haben unanständig viel Geld.

Am zweiten Tag des Urlaubs fuhren wir in Fort Lauderdale mit einem öffentlichen Bootstaxi durch die Kanäle und sahen kilometerweit eine protzige Villa neben der anderen. Fast zu jedem Anwesen gehörte eine ebenso protzige Motorjacht, die an der Anlegestelle festgezurrt war. Und das Schlimme: die meisten Villen sind fast immer unbewohnt, denn die Besitzer kommen nur im Winter, wenn die Hurrikan-Saison zu Ende ist. Einige Grundstücke waren unbebaute Rasenflächen, und der Taxifahrer erzählte den Fahrgästen per Mikro, dass diese Grundstücke nicht etwa zum ersten Mal bebaut würden, sondern dass die alten Häuser komplett abgerissen worden seien, weil niemand in einem „gebrauchten“ Haus wohnen wolle – besonders nicht in diesem Preissegment.

Amerikanische Häuser sehen alle ziemlich ähnlich aus.

Und man kann sich in Wohngebieten leicht verlaufen, weil auch alle Grundstücke ungefähr gleich angelegt sind. Bei den Gebäuden gibt es natürlich leichte Abweichungen in Größe, Farbe und Stil, aber den meisten Häusern ist gemeinsam, dass sie aussehen wie aus dem Quelle-Katalog. Zudem sind sie natürlich aus Holz, aber das sieht man nicht, denn meist sind sie verputzt und gestrichen, manchmal sogar mit dünnen Ziegelschichten bedeckt, damit sie wenigstens wie Brickhouses aussehen. Die reichen, italophilen Amerikaner decken das Dach mit Ziegeln, alle anderen verwenden Dachpappe.

Und dann der Energieverbrauch. Gerade in Florida scheint dauernd die Sonne, und umso mehr die Sonne scheint, umso kühler muss das Haus sein. Denken Sie aber bloß nicht, es gäbe dort auch nur einen einzigen Sonnenkollektor auf irgendeinem Dach! Die meisten Amerikaner brauchen natürlich mehrere Autos, und fast immer sind es überdimensionierte Klumpen, die natürlich viel mehr Sprit brauchen als normale Autos. Man braucht solche Multifunktions-Vehicles, weil man mit ihnen durch die Prärie fahren kann – auch wenn diese ja überall asphaltiert ist.

Siedlungen sind fast immer quadratisch angelegt, so dass alle Straßen schnurgerade verlaufen, oft über viele Kilometer. Man läuft (wenn man denn läuft, was der normale Amerikaner ja nicht tut) also meist stupide geradeaus. Die Straßen haben häufig keine Namen, sondern Nummern, was praktisch ist, weil man dann ungefähr weiß, wie weit man vom Zielort noch entfernt ist, aber manchmal stimmt die Nummerierung nicht, und dann ist man doch verloren.

lauderdale2Viele Amerikaner wohnen in Communities, die man sich vorstellen kann wie Ferien-Resorts, die durch einen Pförtner bewacht werden. Manchmal befinden sich diese Communities im Nirgendwo bzw. an einer stark befahrenen Straße oder Autobahn – mit Autolärm hat der normale Amerikaner offensichtlich kein Problem. In Orlando sahen wir sogar Grundstücke, deren Gärten direkt an die zwölfspurige (!) Interstate 4-Autobahn grenzten, die Häuser sahen aber eher heruntergekommen aus.

Andere Amerikaner wohnen hingegen in riesigen luxuriösen Hochhäusern – eine der Watertaxi-Fahrerinnen von Fort Lauderdale erzählte uns, dass eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern ca. 250.000 Dollar koste.

Alles ist asphaltiert, sogar in den Nationalparks.

Man läuft also immer auf hartem Boden, und das ist für die Füße sehr anstrengend, mal ganz abgesehen davon, dass es trist ist, ständig in Kulturlandschaften herumlaufen zu müssen. Aber da viele Amerikaner wegen ihrer schieren Leibesfülle in Rollstühlen oder auf „Oma-Mopeds“ sitzen und trotzdem die Nationalparks besuchen wollen, müssen diese natürlich behindertengerecht ausgestattet sein.

Nachdem wir am zweiten Reisetag Fort Lauderdale besichtigt hatten, fuhren wir (auf der Durchreise in Richtung Key West und Everglades) über Miami Beach, denn dort gibt es eine „Altstadt“ mit sehr schönen Art Deco-Hotels. Dass in Amerika ein Haus schon mit weniger als 100 Jahren als historical angesehen wird, ist für eine Europäerin natürlich eher lächerlich. Aber wenn man Häuser alle naselang wieder abreißt, als seien es Playmobil-Bausätze, oder wenn sie von jedem dahergewehten Hurrikan umgemäht werden, dann ist es wahrscheinlich wirklich eine Leistung, wenn ein Gebäude mehr als 50 Jahre überlebt.

keywest1An den nächsten beiden Tagen wollten wir erst Key West und dann die Everglades anschauen.

Die Keys bilden eine Inselkette südlich von Florida, die durch Brücken miteinander und mit dem Festland verbunden ist. Key West ist die südlichste dieser Inseln und stellt damit gleichzeitig den südlichsten Punkt der USA dar, worauf auf vielen Schildern gerne hingewiesen wird. Um zu der wunderschönen subtropischen Insel zu gelangen, muss man drei Stunden mit dem Auto fahren. Doch der Aufwand lohnte sich auf jeden Fall, denn dort stehen viele viktorianische Holzhäuser, es herrscht eine angenehm freigeistige Atmosphäre, weil viele Schwule und Lesben und Aussteiger sich dort niedergelassen haben. Außerdem spürt man die Nähe zur Karibik und zu Kuba. Ich kam aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus.

Am nächsten Tag besuchten wir die Everglades und rechneten mit einer wilden Fauna: wir wussten, dass die Glades voll sind von Alligatoren, Pythons und anderen Schlangen, Gürteltieren undVögeln. Da im Reiseführer gestanden hatte, dass die Mücken in Schwärmen angreifen, salbte ich mich von oben bis unten mit Insektenschutzmittel ein und trug zusätzlich noch langärmelige Kleidung und einen Kopfschutz, so dass ich schließlich aussah wie ein Imker. Es war furchtbar heiß und klebrig, aber was tut man nicht alles für eine einmalige Naturerfahrung? Tapfer schleppte ich mein schweres Teleobjektiv und mein noch schwereres Stativ in der sengenden Hitze durch die Botanik, weil ich ja minütlich damit rechnete, einen Alligator zu treffen.

Zu viert schauten wir uns die Augen wund, ob nicht irgendwo ein Alligator im Wasser herumschwamm, doch die einzigen Tiere, die uns ständig begegneten, waren solche mit Flügeln: Anhingas, Herons – und ein paar Mücken. Ein einziges Mal nur, als wir schon nicht mehr damit rechneten, sahen wir endlich einen Alligator unter einer kleinen Holzbrücke im Wasser liegen. Ich konnte ihn kaum fotografieren, weil er vollständig mit Wasser bedeckt war und wegen der Brücke auch im Schatten war.

Naja, immerhin habe ich wunderschöne Landschaftsaufnahmen machen können.

Unser nächstes Ziel war Anna Maria Island, eine kleine längliche Insel am Golf, etwas oberhalb von Sarasota, wo wir für einige Tage ein Haus mit Pool gemietet hatten, das nur 100 Meter vom Meer entfernt lag.

Auf der Fahrt dorthin hatten wir einmal mehr Gelegenheit, die Freundlichkeit der Amerikaner zu erleben. Sie fühlt sich auf den ersten Blick angenehm an, verhält sich aber wie ein “Jelly Belly” (ein gezuckertes Haribo-Böhnchen), das ich in einem Anfall von kulinarischer Abenteuerlust in den Mund genommen habe: sie ist schnell abgekaut, und darunter verbirgt sich etwas anderes: Der Kellner in Naples (Westküste Florida), bei dem wir auf der Durchreise unser Mittagessen bestellt haben, war so freundlich wie ein drittklassiger RTL2-Moderator, und es schüttelte uns jedesmal, wenn er uns mit seiner lauwarmen Liebenswürdigkeit übergoss. Wir konnten förmlich zuschauen, wie er den Schalter auf Costumercontact umlegte, wenn er sich uns näherte, und wie er in vermeintlich unbeobachteten Momenten ernst und angestrengt aussah. Er tat mir eigentlich leid, denn er wirkte so wenig mit sich verbunden, dass ich ihm am liebsten gesagt hätte, dass er die ganze Freundlichkeit stecken lassen könne. Aber ich bin sicher, er hätte gar nicht verstanden, was ich meinte.
Einmal habe ich einen Magnetbutton gekauft, auf dem steht “Sorry, I am all out of nice” – und das beschreibt wohl gut den Zustand, in dem viele Amerikaner sich befinden: man MUSS nett sein, und manchmal ist das einfach furchtbar anstrengend und wirkt eben auch so. Wer kennt nicht die amerikanischen Filme mit Wochenend-Vätern, die so hysterisch auf ihre Söhne einspaßen, dass man fast denkt, sie hätten ihre Antidepressiva überdosiert?

Apropos Restaurant: Wir haben unsere Restaurantbesuche so weit wie möglich reduziert, denn es gibt dort kein Gemüse, und es ist schon allein schwer, ein Restaurant zu finden, das nicht an einer Kette hängt. Was es gibt, sind unterschiedlichste Formen von Schnellrestaurants, wo man Burger aus billigsten Weißmehlbrötchen bekommt, Käsesandwiches, Fleisch aus Massentierhaltung, Meeresfrüchte, Pizza, Pasta und Omelette. Also nur Kohlehydrate und Eiweiß. Manchmal treffen Sie eine verschämte Tomate oder einen Klecks Spinat, aber da müssen Sie schon sehr gründlich suchen.

In den zehn Tagen, die wir auf Anna Maria Island wohnten, haben wir daher im Supermarkt eingekauft und selbst gekocht.
Im Supermarkt bekommt man theoretisch natürlich alles – bis auf das, was man wirklich haben will. Amerikanische Lebensmittelkonzerne wollen den Kunden großes Kino bieten („Great Flavor!“), daher rühren sie überall künstliche Aromastoffe und Vitamine rein. Die genauen Inhaltsstoffe sind ganz klein geschrieben, in Versalien und mit kleinstmöglichem Zeilenabstand – so wie die unattraktiven Bestimmungen bei Facebook.

Brot verdient diese Bezeichung eigentlich nicht, denn es hat die Konsistenz von Marsmellows und existiert nur als Weißbrot, auch wenn es nicht immer weiß ist, weil man es ja einfärben kann. Es besteht aus Gen-Weizen und ist so leicht, dass ein Kilo Toastbrot sicher einen Meter lang wäre. Man muss unendlich viel davon essen, bis man das Gefühl hat, etwas im Bauch zu haben. Und weil man so viele leere Kohlehydrate in sich reingeschaufelt hat, wird man natürlich dick davon.

Nachdem ich jetzt drei Wochen in Amerika war,  habe ich verstanden, wie umständlich es ist und wie viel Willenskraft man braucht, um in Amerika schlank zu bleiben.

Lebensmittel sind sehr teuer: unser erster Einkauf bei Whole Foods, bei dem wir nur ein bißchen Obst, Gemüse und Sachen für das erste Frühstück kauften, kostete uns 210 Dollar. Das dunkle 750g-Brot mit Walnüssen kostete allein schon 7 Dollar, und so richtig lecker hat es nicht mal geschmeckt. Es ist also viel billiger, Junkfood zu essen, und es ist auch viel weniger umständlich.

Außerdem haben die Amerikaner noch kein Bewusstsein für gesundes Essen. Dass Fett so schlimm gar nicht ist, sondern dass es darauf ankommt, welche Art von Fett man isst, und dass man nicht zu viele Kohlehydrate essen sollte und vor allem nicht so viel Zucker, das ist noch nicht bei ihnen angekommen. Und ich kann es ihnen nicht verübeln: das einzige, was in Amerika unglaublich lecker ist, sind das Eis und der Kuchen. Und man stelle sich vor, als wir einmal einkauften, wunderte sich die Kassiererin, dass wir aber wirklich viel Gemüse gekauft hätten – und das, obwohl es ein Bioladen war.

Ferngesehen haben wir in Florida fast nie.

Gegen das amerikanische Fernsehen sind sogar die Privatsender des deutschen Fernsehens praktisch werbefrei. Das Verhältnis von Werbung und Programm ist in den USA mindestens 50:50, und die Werbung ist noch schwerer erträglich als in Deutschland, weil schon der normale Amerikaner ein so euphorisches Grundlevel hat, dass Werbung in ihrer Begeistertheit natürlich noch weit darüber hinausgehen muss. Das erklärt, warum neue Produkte mit so vielen fantastics und amazings beschrieben werden: der normale Konsument wird überhaupt erst aufmerksam, wenn ein Produkt so hysterisch angepriesen wird, als ob der Kauf direkt zum ewig währenden Weltfrieden führt.

Kurz vor Ablauf unserer Tage in Anna Maria schalteten wir doch mal den Fernseher ein – vor allem weil wir den Wetterbericht sehen wollten. Und so erfuhren wir von Sandy. In Florida merkte man aber nichts von ihr – der Wind war zwar stärker und das Meer wurde wilder, aber eigentlich kann man das nicht zählen.

zirkus2Wir verließen Anna Maria Island und schauten als nächstes das Ringling Zirkusmuseum in Sarasota an. John Ringling hat vor ca. 100 Jahren gemeinsam mit seinen Brüdern einen wahrhaft gigantischen Zirkusbetrieb auf die Beine gestellt, in dem über 1000 Menschen beschäftigt waren. Dieser Zirkus machte Ringling so reich, dass er eine riesige Kunstsammlung zusammentragen konnte und in Sarasota für sich und seine Frau Mable einen Palast und ein Museum für seine Sammlung errichtete (ob er auch das Zirkusmuseum selbst hat bauen lassen, weiß ich nicht). Am eindrucksvollsten im Museum war der Zirkusbetrieb im Maßstab 1:12. Nicht nur das eigentliche Zirkuszelt war aufgebaut, sondern auch alles andere, also Tierunterkünfte, Maskenbildnerzelte, Speisesaalzelte etc.

 

myakka1 Unser nächster Stopp war der Myakka River State Park – und dort gab es dann endlich Alligatoren.

Es war meine Idee, dort hin zu fahren, aber ich hatte mehr einen Tagesausflug im  Sinn als eine Übernachtung. Mein Mann fand aber heraus, dass man dort Holzhütten mieten konnte  – und wünschte sich das zum Geburtstag. Es gab fünf Hütten, und genau eine war noch frei. Da ich meinen Mann sehr liebe, willigte ich ein.

Die Hütte war historical, denn sie war schon in den 1930ern gebaut, und zwar aus Palmenstämmen, die mit Teer abgedichtet waren.

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Sie enthielt eine kleine Küche mit Herd, Backofen, Kühlschrank, Mikrowelle und Spüle, außerdem ein kleines Bad mit Dusche und warmem Wasser und einen großen Raum mit zwei großen Betten (die Amerikaner nennen solche 160 cm breiten Betten „Queensize“), ein Klappsofa und eine Essecke plus einer Heizung/Klimaanlage. Alle Fenster und beide Türen waren mit Fliegengitter ausgestattet. Worin also bestand das Abenteuerliche? Erstens war der Boden sehr rustikal – die Socken waren sofort dreckig, wenn man dort ohne Schuhe lief. Zweitens waren die Matratzen schlecht, so dass mein Mann und ich immer in die Kuhle rutschten. Drittens waren die Decken sehr dünn. Amerikaner benutzen keine Daunendecken, sondern bestenfalls dünne Wolldecken. Doch in dieser Hütte gab es nur Decken, die sich wie rustikale Tischdecken anfühlten. Da ich sowieso überall friere, legte ich sicherheitshalber alle verfügbaren Handtücher übereinander und wir schalteten die Heizung an. Sie machte aber einen solchen Lärm, dass wir bald wieder abdrehten. Was ein Fehler war. Denn wir hatten in einem Meer aus Wärme gerade die beiden Kälteinseltage erwischt, und so wachten wir auf, weil uns die Kälte langsam die Beine hoch kroch. Der Mann schaltete die Heizung also wieder an, aber bald begann es, verbrannt zu stinken, und so schaltete er sie also wieder ab. Wir erwachten am Geburtstag meines Mannes alle einigermaßen schlecht gelaunt, denn sogar die Kinder hatten gefroren, und die sind normalerweise ziemlich robust, was Kälte angeht.
Ich wollte keine weitere Nacht dort bleiben, aber jetzt war ja erstmal Tag, und wir verschoben die Entscheidung.

myakka2Im Flyer des Parks stand: „Alligators are abundant“, also Alligatoren seien überall.

Das war nicht übertrieben. Das Gute an Alligatoren ist, dass sie nur an Gewässern und deren Ufern leben. Wir sahen an diesem Tag ca. fünf Alligatoren, und eines davon fraß ein Reh, das sich zu nah an den Fluss gewagt hatte. Es war ein unglaubliches Schauspiel, wie das ca. zwei Meter lange Tier gaaaanz langsam das Reh auseinandernahm, immer dicht begleitet von einer immer größer werdenden Schar Geier, die auch gerne daran pickten. Von Zeit zu Zeit, wenn die Zahl der Mitesser zu groß wurde, schwamm der Alligator mit dem Reh im Maul ans andere Ufer und zerbiss das Reh dort weiter. Einige seiner Kumpels sahen dem Treiben von ferne zu, man erkannte sie immer an den zwei dunklen Klumpen, die auf dem Wasser zu schwimmen schienen: Augen und Nasenlöcher. Einmal schwamm der Alligator mit dem Reh unter der Brücke durch, auf der sich ca. 20 Zuschauer angesammelt hatten, und wir konnten ihn und das Reh aus nächster Nähe fotografieren. Doch je näher er der Brücke kam und je mehr ich von seinem Mittagessen sah, desto weniger wollte ich es fotografieren, denn man sah deutlich die Gedärme.

Doch wir sahen nicht nur Alligatoren. In den Wäldern streiften auch Rehe und Wildschweine, und Klapperschlangen und andere giftige Schlangen soll es dort auch geben. Ich verstehe jetzt besser, warum die meisten Amerikaner nicht so scharf auf Natur und Wald sind wie die Deutschen, denn überall lauern Gefahren. Wir sahen Verkehrsschilder, die vor Alligatoren warnen (einen sahen wir auch tatsächlich neben der Straße liegen) oder sogar vor Panthern und Leoparden. In den Glades wimmelt es von Pythons, weil diese dort ausgesetzt worden sind, keine natürlichen Feinde haben (Pythons fressen z.B. auch Alligatoren!) und sich daher nach Herzenslust fortpflanzen. Und im Meer gibt es Haie – zum Glück haben wir aber keinen gesehen.

Nach einem unerwartet leckeren Abendessen in Sarasota bei Owens Fishcamp (wurde von Lonely Planet empfohlen) fuhren wir dann doch wieder in unsere Hütte zurück. Jeder zog sich warm an, wir erbettelten noch vier weitere Blankets vom Ranger und türmten diese auf unsere Betten. Und so war es dann sogar ziemlich ok in unserer Hütte.

Hogsmeade und Jurassic Park sind nur einen Katzensprung auseinander.

Am nächsten Tag näherten wir uns dem Highlight für unsere Töchter: wir fuhren nach Orlando zur Wizarding World Of Harry Potter. Die Website hatte uns den Mund ordentlich wässrig gemacht, und so hatten wir ziemlich hohe Erwartungen. Doch die Harry Potter-Welt bot eigentlich nicht viel außer Shopping: neben Zonko (Spielzeug und Scherzartikel), Honeydukes (Süßigkeiten), Derwish & Banges (Klamotten, Zauberstäbe und andere Merchandising-Artikel) und Filch’s Wasauchimmer (noch ein Merchandising-Laden) gab es zwei normale Achterbahnen, einen Ride mit Simulation und Ollivander’s Wandshop, für den man eine halbe Stunde lang anstehen musste, weil dort eine kleine Show zu sehen war. Achterbahn zu fahren habe ich mich nicht getraut, weil ich schon in den läppischsten Karrussels Höhenangst bekomme, aber ich wagte mich in zwei Rides, die eher für kleinere Kinder gedacht waren – ich hoffte, ich könnte mich wenigstens der “Forbidden Journey” (der Ride mit Simulation) auf diese Weise langsam annähern. Aber ich traute mich dann doch nicht rein.
Hogwarts ragte zwar imposant vor uns auf, aber alles war nur Kulisse, man konnte also nichts anschauen. Schade. Aber den Kindern hats trotzdem gefallen, und da ich noch nie zuvor in einem Vergnügungspark gewesen bin, war es auf jeden Fall ein wertvolles Erlebnis zum Abschluss.